Piraten*Konferenzen und das liebe Geld

Letztes Wochenende fand die PiratinnenKon statt. Kann man gut finden, muss man aber nicht. Dafür hat der Bundesvorstand 1200€ locker gemacht. Meistens war zwar die Rede von 1800€, dieser Betrag scheint sich aber aus dem eben genannten Antrag und einem weiteren für die Vorfinanzierung der Verpflegung vor Ort, der nicht angenommen wurde, zusammenzusetzen. Aber darum soll es hier eigentlich gar nicht gehen.

Abgesehen von der generellen „Kritik“ an der Veranstaltung, die meinem Empfinden nach kein besonderes Ausmaß annahm neben dem, was zu erwarten war, haben sich viele Piraten insbesondere laut darüber empört, dass eine Konferenz zu einem Thema mit dem sich derzeit scheinbar nur wenige Menschen befassen — auf der Konferenz waren wohl nur um die 100 Leute — mit einer derartigen Summe Seitens der Partei unterstützt wird.

Wir leben im 21. Jahrhundert und verstehen das Internet als Teil unseres Alltages und verwenden es zur Kommunikation und insbesondere als Informationsquelle. Trotz Projekten wie dem Project Gutenberg, der allseits bekannten Wikipedia oder dem Google Books Projekt gibt es nach wie vor eine Notwendigkeit für die Wissenschaft und Universitäten — Ist ja auch logisch, woher sollen sonst neue Erkenntnisse und Inhalte für derartige Wissensprojekte kommen.

Worauf ich hinaus möchte ist, dass meiner Meinung nach in jedem Fall Konferenzen zu Themen innerhalb der Partei von selbiger gefördert werden sollten. Auch wenn nur eine geringe Anzahl an Menschen teilnimmt. Ein zentrales Element der Meinungsfindung sollte es sein, sich mit verschiedenen Ergebnissen aus der Wissenschaft zu befassen, was im Allgemeinen darin resultiert, sich Fachliteratur zu Gemüte zu führen und eben zu derartigen Konferenzen einzuladen, um sich von Fachleuten, am besten aus der wissenschaftlichen Ecke der Gesellschaft, die verschiedenen Facetten des Themas aus erster Hand zeigen zu lassen. Dafür dürfen, finde ich, auch gerne höhere Summen investiert werden, damit entsprechende Fachleute von außerhalb als Referenten hinzugezogen werden können.

Bei der Piratinnenkon wurde dieses Vorgehen zwar von vielen Seiten in Frage gestellt, wozu ich mich aber nicht äußern werde, da ich es als unbedacht und sinnfrei ansehe etwas zu kommentieren, bei dem ich selber nicht teilgenommen habe und nur die Erzählungen und Meinungen anderer als Quelle nutzen kann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Konferenzen ist es, sich mit den Menschen, die sich mit dem selben Thema befassen, zu vernetzen. Heutzutage gibt es zwar die Möglichkeit, einen Großteil der Kommunikation im Internet ablaufen zu lassen, erfahrungsgemäß sind Menschen aber außerhalb des Internets meistens doch ganz anders als man es sich ausgemalt hat. Das ist denke ich auch bei kleineren Gruppen noch durchaus förderungswürdig, da es unwahrscheinlich ist, dass sich eine besonders große Gruppe mit einem Thema noch anständig befassen kann. Dank moderner Technologien besteht außerdem auch die Möglichkeit die Konferenz denen, die nicht vor Ort teilnehmen können oder möchten, in Echtzeit und nachträglich zur Verfügung zu stellen.

Als Argument gegen die Finanzierung wurde auch gebracht, dass der Aufschrei aus der Ecke der Piraten die an dieser Konferenz teilnahmen und sie organisierten ja ähnlich groß sei, würde beispielsweise die Nuklearia eine Atomkonferenz veranstalten, die von der Partei finanziert werden würde.

Ich würde es jedoch sogar als wünschenswert ansehen, dass eine derartige Konferenz stattfindet. Das Thema der elektrischen Energie ist derzeit so kompliziert und kniffelig wie nie zuvor und bedarf einiges an Arbeit. Würden zu einer Atomkonferenz entsprechende Persönlichkeiten aus der Wissenschaft eingeladen werden um  sowohl über die Vor- als auch die Nachteile verschiedener Energiewandlungsverfahren zu referieren, bildet sich erst die Möglichkeit darüber nachzudenken, ob es wirklich eine so schlaue Idee ist, an der Kernspaltung als modernes Konzept festzuhalten.

Der wichtige Aspekt dabei wäre jedoch, dass die Referierenden nicht aus selbiger Ecke der Piraten kommen, sondern von außerhalb eingeladen werden. Ansonsten ist das Ergebnis hervorsehbar — nämlich die so oder so schon vorhandene Meinung der Gruppe — und die Konferenz an sich wird ihrem Zweck nicht mehr gerecht.

Zusammengefasst wünsche ich mir, dass mehr Fachkonferenzen mit verschiedenen Fachleuten von außerhalb bei den Piraten insbesondere zu umstrittenen Themen stattfinden, damit wir endlich aufhören können, uns ständig zu bekriegen und uns stattdessen eine Basis dafür geben, fundierte Meinungen miteinander zu bilden. Und das darf auch gerne Geld kosten.

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